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The Truth about being Young - Teil 2

The Truth about being Young - Teil 2
Epik -> Roman

Teil 2:

Eine Woche später stand Theresa nervös hinter dem schweren, roten Teppich des städtischen Theaters und versuchte durch einen kleinen Spalt zu erkennen wie voll das Theater war. Mit Schrecken stellte sie fest, dass es fast ausverkauft war. Auf einmal hörte sie eine Stimme hinter sich und zuckte erschrocken zusammen. „Na, wie sieht’s aus?“ frage Pete, einer der wenigen männlichen Tänzer an Theresas Ballettschule und gleichzeitig ihr Partner. „Viel zu viele Leute…“ murmelte Thesi. „Hey, entspann dich. Wir haben doch tausendmal geübt und du kannst alles!“. „Mhm“ erwiderte Theresa und verschwand Richtung Umkleide um noch einen Blick in den Spiegel zu werfen und ihre Schuhe anzuziehen.  Sie stellte fest, dass sie gut aussah, trank noch einen Schluck Wasser und begab sich nach draußen um auf Position auf den Beginn der Vorführung zu warten.

Als dann die ersten Takte der Musik einsetzten und der Vorhang nach oben gezogen wurde, war ihre Nervosität verflogen und sie brachte ihre Darstellung in gewohnter Brillanz hinter sich.

Nach der letzten Pirouette ertönte tosender Applaus, manche Leute standen sogar auf und Theresa strahle erleichtert. Der Vorhang senkte sich und Pete drückte ihr einen Kuss auf die Wange „Großartig! Ich verstehe wirklich nicht, was du immer noch hier an dieser kleinen Ballettschule machst, bei deinem Talent!“ – „Jetzt übertreib mal nicht, komm wir ziehen uns um und gehen feiern!“.

Als Theresa zurück in ihre Umkleide kam erwartete sie dort ein großer Strauß Tulpen und eine Schachtel Pralinen. Dabei lag ein Zettel „Ich bin immer wieder von dir begeistert“. Theresa runzelte die Stirn, denn sie konnte nicht erkennen wer ihr den Blumenstrauß und die Pralinen hinterlassen hatte.

Noch während sie darüber nachdachte flog die Tür auf und ihre Ballettlehrerin schwebte herein. Zumindest kann man ihren Gang nicht mit „Schreiten“ beschreiben!

„Phänomenal meine Liebe, komm her, lass dich drücken!“ rief Madame Bernuoille. Direkt hinter ihr folgte Theresas Mutter, die ebenfalls über beide Ohren lächelte. „Wir haben noch eine Überraschung für dich“ fuhr Madame Bernuoille fort als eine weitere Frau, die Theresa noch nie gesehen hatte, die Umkleide betrat. „Darf ich vorstellen, das ist Miss McPherson von der New York School of Arts.“ Madame Bernuoille machte eine Pause, um Theresa Zeit zum Luftholen zu lassen. Die New York School of Arts war eine der besten Ballett und Tanzschulen, die es weltweit gab. „Ich hatte letzte Woche telefonischen Kontakt zu ihr und sie für heute Abend eingeladen, um unsere Show anzuschauen…“. „Eleanor McPherson, es ist mir eine Freude.“ Die junge Frau streckte Theresa eine feingliedrige Hand entgegen. Alles in Allem sah sie aus wie eine Puppe. Zarte Haut, das blonde Haar streng nach hinten gekämmt, eine kleine Nase, wohlgeformte Lippen und große grüne Augen. „Es … ist mir ebenfalls eine … Freude“ stotterte Theresa und ergriff die Hand der anderen Frau. „Ich war sehr beeindruckt von Ihrer Leistung heute Abend und möchte Ihnen das hier überreichen.“ Sie streckte Theresa einen kleinen, weißen Umschlag entgegen. Gespannt nahm sie ihn an sich, warf Madame Bernuoille kurz einen unsicheren Blick zu und öffnete ihn auf deren aufmunterndes Nicken hin. Sie las kurz und sog die Luft zwischen den Zähnen ein „… ist es uns eine große Freude, Sie zu unserem Nächsten Vortanzen am 15. Januar einzuladen…“ „Ist das ihr Ernst??“ rief Theresa erfreut und hätte Eleanor McPherson fast spontan umarmt. „Ich würde mich freuen, Sie dort wieder zu sehen.“ erwiderte diese.

Kurz darauf saß Theresa immer noch ungläubig in ihrer Kabine, die anderen drei Frauen waren in die Bar des nahegelegenen Hiltons gegangen, um dort noch ein Gläschen Champagner zu trinken. Das musste Theresa sofort ihren Freundinnen erzählen, die würden ja vermutlich draußen im Foyer auf sie warten, wie sie das nach fast jeder wichtigen Aufführung taten.

Rasch schlüpfte sie in ihr schwarzes Kleid und streifte die neuen Louboutins über, die sie von ihrer Mutter kurz vor der Show bekommen hatte – sie hatte wohl da schon von der Einladung nach New York gewusst. Grinsend schüttelte Theresa den Kopf, schnappte die Sport- und die Handtasche und eilte hinaus ins Foyer.

Zu ihrer Enttäuschung stand dort keine ihrer Freundinnen, sondern … „Lucas! Was zum Teufel machst du denn hier?“ „Ich habe gehört du wärst heute hier und dachte wir könnten ja noch was trinken gehen, ich habe Champagner bei mir zu Hause.“ Er grinste breit – wie immer! „Vergiss es,“ fauchte Theresa „dann warst das also auch du mit den Blumen, oder?“ „Blumen? Wenn ich ja sage, kommst du dann mit?“ Theresas Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und sie holte Luft, um noch etwas zu erwidern, als ihr Tanzpartner Pete, der wohl bemerkte wie kurz vor einem Wutausbruch sie stand, Theresa von hinten den Arm um die Schultern legte und meinte „Tut mir leid, aber sie hat schon ein Date“. Erleichtert setzte Theresa ein triumphierendes Lächeln auf, denn wenn man nicht wusste, dass Pete ihr Tanzpartner war, der nicht auf Mädchen stand, hatte er schon eine sehr beeindruckende Wirkung. „Ja, tut mir leid Lucas, vielleicht findest du ja eine andere Dumme.“

 

Zur selben Zeit bei Natalie:

„Mist, Mist, Mist… ich bin schon wieder zu spät dran und der Bus fährt auch gleich.“ Natalie hüpfte auf einem Bein durch das kleine Wohnzimmer ihrer Londoner Vorstadtwohnung, während sie versuchte mit dem freien Fuß in ihren Schuh zu schlüpfen. Sie wollte zu Theresas Ballettaufführung, da sie wusste, dass Charly mit ihren Eltern in eines der schicken Nobelrestaurants, von denen London ja ausreichend hat, gehen wollte, um sie von ihrem Mexikourlaub zu überzeugen und Kristina heute ebenfalls keine Zeit hatte. Natalies Mutter war natürlich auch nicht zuhause, um sie in die Stadt zu fahren und wenn sie nicht sofort ihren Schlüssel finden konnte, würde sie den Bus verpassen und erst nach der Pause im Theater sein können. „Ah endlich!“ rief Natalie erleichtert. Das bezog sich sowohl auf den Schuh, der nun erfolgreich an ihrem Fuß saß als auch darauf, dass sie ihren Schlüssel entdeckt hatte. Sie schnappte ihn und stürmte Richtung Tür und hinaus. Plötzlich fand sie sich auf dem Boden auf ihrem Hintern sitzend wieder „Kacke, was ist denn…“ sie riss die Augen auf, als sie feststellte mit wem sie eben zusammengestoßen war. „Tobi!!“ sie fiel ihrem Freund um den Hals und küsste ihn. “Ich dachte du wärst in Madrid!” “War ich auch, aber ich hatte Sehnsucht nach dir”. Natalie küsste ihn wieder und wieder, bis er sie wegschob, schelmisch grinste und fragte „Würde es dir was ausmachen, das drinnen fortzusetzen?“ und die beiden verschwanden zurück in die Wohnung.

 

Währenddessen saß Charly im La Couture mit ihren Eltern. Eigentlich liebte sie dieses noble Restaurant auf dem Dach eines Londoner Hochhauses von wo aus man einen Wahnsinnsausblick hatte, allerdings ließ die Gesellschaft doch etwas zu wünschen übrig. Sie empfand ihre Eltern als die langweiligsten Menschen überhaupt. Ihr Vater war Chirurg und sehr wortkarg, ihre Mutter dagegen studierte Hausfrau. Studiert deswegen, weil sie, wie Charly ihr öfter vorwarf, nur in Oxford studiert hatte, um einen reichen Mann kennen zu lernen und nicht mehr arbeiten zu müssen. Sie war, wie Charly sogar fand, einfach nur oberflächlich. Sie sah zwar umwerfend aus, konnte sich aber auch über nichts anderes als Mode, Schmuck, Kosmetik und Diäten unterhalten und das am laufenden Band.

Sie führte nun schon seit dem Aperitif einen Monolog über diese neue Kosmetikbehandlung, der sie sich gestern unterzogen hatte. Charly saß ihren Vater an, zog eine Augenbraue hoch und unterbrach dann kurzerhand und sehr zur Erleichterung ihres Vaters den Monolog. „Hey Paps, nächste Woche haben wir doch Ferien. Ich habe mit Thesi geredet und wir würden gerne verreisen.“ „Thesi, das ist die Tochter von Dr. Sullen, oder?“ „Ja.“ strahlte Charly. Dr. Sullen war einer der bekanntesten Psychologen der Stadt und Charly war schon froh, dass sich ihr Vater daran erinnerte, da er für gewöhnlich eher wenig Interesse für Theresas Freunde zeigte. „Wo wollt ihr denn hin? Südfrankreich wieder?“ „Südfrankreich? Wir waren noch nie in Südfrankreich, das letzte Mal waren wir in Barcelona…“ erwiderte Charly enttäuscht, strahlte allerdings gleich wieder und fügte hinzu „nein, wir wollen nach Mexiko!“. Charlys Mutter, die nun schon ganze fünf Minuten nichts mehr gesagt hatte rief sofort „Mexiko! Ihr müsst unbedingt in dieses neue Spa-Hotel in Cancun gehen, es ist einfach traumhaft dort, der weiße Strand, die Massagen und tolle Whirlpools haben die dort…“ „Mama!“ fauchte Charly etwas lauter als beabsichtigt hatte. „Shhh…“ Charlys Vater legte seine Hand auf ihre und warf ihr einen warnenden Blick zu, da sich schon mehrere Gäste des feinen Etablissements nach den dreien umdrehten. Ihre Mutter war schon wieder dabei von diesem Hotel in Cancun zu schwärmen und Charly warf ihrem Vater einen verzweifelten Blick zu. Er lächelte, beugte sich zu ihr hinüber und flüsterte, ohne, dass ihre Mutter überhaupt etwas bemerkte „Leg mir dann einfach die Rechnung in mein Zimmer, Schatz.“

 

Leicht angetrunken und überglücklich öffnete Theresa ein paar Stunden später die Haustür der Stadtvilla und war erstaunt ihre Eltern noch wach vor dem offenen Kamin vorzufinden. „Ihr seid ja noch wach“ rief sie. „Natürlich mein Schatz, deine Mutter hat mir erzählt wie großartig du heute warst und dass du nach New York eingeladen wurdest. Ich bin so stolz auf dich!“ Theresas Vater nahm sie in die Arme und küsste sie auf die Wange. „Tut mir leid, dass ich heute Abend diesen Vortrag hatte und deinen großen Auftritt verpasst habe. Übrigens Charly hat vorhin angerufen, es tut ihr leid, dass sie heute nicht da war. Sie meinte sie hätte ein Hotel gefunden und nachdem sie gesagt hat ihr solltet sofort buchen, habe ich das gleich für dich erledigt.“ „Oh äh, danke…“ Eigentlich war das Theresa nicht recht, weil sie gerne selber etwas mitbestimmt hätte, aber sie wollte jetzt nicht undankbar sein. „Sag mal, New York, was ist denn wenn du angenommen wirst?“ fragte ihr Vater gleich weiter. „Du Papa, ich hab mir da noch keine Gedanken gemacht, ich muss ja erst mal vortanzen“. „Das solltest du aber, das ist ein großer Schritt. Du warst noch nie länger, so weit von zuhause weg und ohne deine Freundinnen. Was wirst du denen denn sagen? Charly wird sicher nicht begeistert sein? Außerdem wie geht es dann mit deinem Studium weiter? Und was machst du mit dem Hund?“ „Georg, es ist 4 Uhr nachts, lass Theresa doch bitte in Ruhe, das könnt ihr alles morgen besprechen.“  warf Caroline, Theresas Mutter ein. „Danke, gute Nacht.“ Sagte Theresa leise und verschwand nach oben. Es war typisch für ihren Vater sie sofort wieder mit Fragen zu löchern, aber irgendwie hatte er Recht. Bisher war sie so begeistert gewesen, dass sie sich über die Folgen noch gar keine Gedanken gemacht hatte. Was WÜRDE Charly sagen? Sie wäre außer sich. Also ihr erst mal lieber nichts erzählen. Und was würde aus ihrem Studium werden? Eigentlich wollte sie schon weitermachen, um auf jeden Fall ein zweites Standbein zu haben – das war auch genau die Ansicht ihres Vaters, ihre Mutter allerdings, ebenfalls eine ehemalige Tänzerin, war voll und ganz dafür, dass sie ihre Karriere weiterverfolgen sollte.

Schlaflos wälzte sich Theresa hin und her, bis sie endlich, kurz vor Sonnenaufgang einschlief.

 

Schon wenige Stunden später wurde Theresa vom Klingelton ihres Handys geweckt. Schlaftrunken tastete sie danach. „Hallo“ murmelte Theresa am Telefon und wurde sogleich von einem Wortschwall überschwemmt, natürlich von Charly: „Thesi, schläfst du etwa noch? Oh man, du glaubst ja gar nicht, was mit gestern passiert ist! Ach ja, erstmal, hat dein Vater dir das mit Mexiko ausgerichtet? Das Hotel sieht super aus, hast du es dir schon im Internet angeschaut? Ich habe auch schon…“ „Halt, halt halt,“ unterbrach Theresa „mach mal bitte langsam, ich bin gerade erst aufgewacht.“. „Das mit dem Hotel ist jetzt eh nicht so wichtig. Ich brauche deine Hilfe!“ „Aha?!“ erwiderte Theresa erstaunt. Das klang interessant. „Jaa…“ Theresa konnte Charly förmlich durchs Telefon lächeln hören. „Jetzt sag schon!“ forderte sie ungeduldig. „Okay. Ich war doch gestern mit meinen Eltern beim Essen.“ „Ja“ „und du kennst ja meine Mutter. Wenn die mal anfängt zu reden ist da ein Entkommen mehr… Deshalb habe ich nach dem Essen gesagt, ich müsse weg, weil wir verabredet hatten uns zu treffen. Ich habe dann also in der Eingangshalle des Restaurants auf darauf gewartet bis mein Taxi kam. Und da war so ein unglaublich süßer Typ, der auch auf ein Taxi gewartet hat. Allerdings kam dann nur eines. Er hat mich also gefragt wo ich wohne und nachdem wir nicht besonders weit voneinander entfernt wohnen, haben wir uns das Taxi geteilt.“ Als Charly keine Anstalten machte weiterzureden fragte Theresa: „Und wo ist jetzt der Teil, an dem du meine Hilfe brauchst?“ „Ich habe ein Date heute Abend!! Und weiß nicht was ich anziehen soll! Wir müssen also shoppen gehen. Ich hole dich in 20 Minuten ab und du musst mich dann beraten! Also bis gleich!“ Noch bevor Theresa etwas erwidern konnte hörte sie das Freizeichen. „Oh man, wie ich das hasse.“ Murmelte sie verärgert. Nicht nur, dass sie nach den wenigen Stunden Schlaf keine Lust auf eine Shoppingtour hatte, sondern auch dass Charly weder gefragt hatte, noch daran gedacht hatte, dass sie heute Abend eigentlich etwas unternehmen hatten wollen. Theresa schwang die Beine aus dem Bett und warf einen Blick in den Spiegel. Kein erfreulicher Anblick wie sie feststellen musste. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und ihre blonde Mähne stand in alle Richtungen vom Kopf ab.

Rasch ging sie Richtung Bad, duschte und föhnte ihre Haare. Im Kleiderschrank fand sie eine dunkelblaue Röhrenjeans, dazu einen grauen Kaschmirpulli und gegen die herbstliche Frische eine Daunenweste. Während sie noch ihr Make-up auflegte, rief von unten schon ihre Mutter „Theresa! Charlotte ist hier! Beeil dich!“. „Man, man, man…“ Theresa war mit dem Ergebnis ihres Versuchs die Augenringe zu verdecken nicht zufrieden, wusste aber, dass wenn sie nicht gleich runtergehen würde, ihre Mutter in ihr Zimmer kommen würde und dann wieder eine Diskussion über das ungemachte Bett und die verstreuten Kleider losgehen würde.

 

Am Treppenabsatz wartete Charly schon „Hallo, uhhh wie siehst du denn aus? Hast du schlecht geschlafen? Aber coole Jeans! Neu?“ Charly war heute wieder ein Energiebündel. Nachdem Theresa gar nicht wusste auf welche Frage sie zuerst antworten sollte sparte sie sich eine Antwort einfach ganz, gab ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und sagte, wohlwissend, dass sie wohl so schnell nicht wieder  heimkommen würde „Bis Später.“

 

„Übrigens Kristina hat mich angerufen…“ begann Charly als sie versuchte ihren roten Mini aus der kleinen Parklücke zu manövrieren. Wie hat sie ihn denn da überhaupt reinbekommen, fragte Theresa sich im Stillen, sagte aber „Ja? Wo steckt sie denn?“ „Sie ist spontan mit ihren Eltern weggefahren.“ „Wohin denn?“ „In die Pampa, weiß der Geier…“ „Charly! Ich weiß du magst sie nicht besonders, aber sei doch nicht immer so ein Ekel!“ Charly zuckte nur mit den Achseln und wechselte das Thema. „Also was meinst du, Hose oder Rock?“ „Bitte?“ fragte Theresa verwirrt. „Für’s erste Date!“ „Achso… Hm, wieso fragst du mich da? Weil ich der Spezialist für Dating-Fragen bin? Meinst du nicht du wärst mit Natalie besser bedient?“ „Nur weil Natalie seit Jahren in einer Beziehung steckt, mal nebenbei bemerkt im Gegensatz zu dir, heißt das nicht, dass sie auch Stil hat. Also?“ „Hose.“ Theresa war jetzt schon genervt. Nicht nur wegen Charlys Seitenhieb, dass sie sein Jahren keine Beziehung gehabt hatte, die länger als einen Monat gedauert angehalten hatte. Sie wollte gerade noch etwas sagen, als Charlys Handy klingelte und sie die Freisprechanlage aktivierte.

„Guten Morgen!“ flötete eine gutgelaunte Natalie durchs Telefon. „Nat! Wo steckst du? Lust auf Shoppen?“ viel Charly gleich mit der Tür ins Haus. „Ähm nein, ich wollte eigentlich nur fragen, ob es dir und Theresa was ausmachen würde, wenn ich mich heute Abend abkapseln würde. Tobias kam gestern überraschend aus Madrid und ich würde gern den Abend mit ihm verbringen…“ „Heute Abend?“ Charly runzelte die Stirn. „Nein, nein kein Problem! Kann ich ja verstehen! Lass uns doch am Sonntag telefonieren“ rief Theresa bevor Charly antworten konnte. „Ah Thesi, du bist mit Charly unterwegs? Aber okay, ich muss Schluss machen. Bis morgen dann!“ antwortete Natalie und legte auf. „Heute Abend?“ Charly war immer noch verwirrt. „Heute Abend. Wir hatten eigentlich ausgemacht mal wieder was zusammen zu unternehmen. Eigentlich.“ „Oh man, tut mir leid…Aber du verstehst doch, oder?“ „Ja klar… Ich ähm, müsste eh mal wieder mein Zimmer aufräumen.“ Klar verstand Theresa, es musste ja auch immer nach Charlys Kopf gehen.

Nach mehreren Stunden Shopping in unzähligen Geschäften und einem viel zu teuren Lunch war Theresa am späten Nachmittag endlich wieder zuhause. Charly hatte das „perfekte“ Outfit gefunden. Entgegen Theresas Rat hatte sie sich für einen kurzen, anthrazitfarbenen  Jeansrock entschieden. Dazu Wollstrümpfe, die bis über die Knie reichten, eine weiße Bluse und ein ärmelloses Westchen. Natürlich durfte das passende Make-up nicht fehlen, als Charly dann aber auch noch überlegte zum Friseur zu gehen, verabschiedete sich Theresa unter dem Vorwand ihrer Mutter helfen zu müssen.

 

Theresa betrat das Haus und ging in die Küche. Dort lag ein Zettel ihrer Eltern. „Hallo Theresa, sind heute bei Will und Lisa eingeladen. Es kann später werden, aber du bist ja vermutlich eh unterwegs. Was zu essen findest du im Kühlschrank. Kuss Mama“. Theresa öffnete den Kühlschrank und fand dort in einer Glasschüssel, was vermutlich ihr Abendessen war, allerdings nicht sehr appetitlich aussah. „Also das Kochen sollte sie auch lieber sein lassen.“ sagte Theresa zu sich selbst und schloss die Kühlschranktür wieder.

Sie ging in ihr Zimmer, räumte tatsächlich etwas auf, rief dann den Pizzaservice und saß pünktlich zu Beginn der Spielfilme vor dem Fernseher. Es lief „Wie werde ich ihn los in 10 Tagen“, eigentlich einer ihrer Lieblingsfilme. Heute konnte sie ihn allerdings nicht wirklich genießen. Alleine, während ihre Freundinnen entweder mit ihrem Freund oder einem heißen Date den Abend verbrachten. Nach etwa der Hälfte des Filmes schaltete sie den Fernseher ab „Das Ende kenn ich ja eh“ und ging ins Bett, um noch etwas zu lesen.

 

Zur selben Zeit spazierte Charly in eine Bar, in der sie Jack, ihr Date, treffen sollte. Noch während einer der Angestellten ihren Burberrymantel abnahm, um ihn aufzuhängen, erspähte sie schon Jack. Er saß an der Bar, nippte an einem Getränk und sah einfach umwerfend aus. Die dunkle Kleidung bildete einen angenehmen Kontrast zu seinem blonden Haar und als er seinen Kopf dreht und sie mit seinen grünen Augen ansah fielen ihm ein paar Strähnen ins Gesicht, die er mit einer lässigen Handbewegung wegwischte. Charly lächelte, fuhr kurz mit einer Hand durch ihr schulterlanges, dunkelbraunes Haar und ging dann auf Jack zu. „Du siehst … super aus.“ begrüßte Jack sie. „Danke.“

Während des Abends erfuhr Charly, dass Jack eigentlich mit seiner Mutter in Australien lebte und in Sidney studierte, aber nun für ein Jahr bei seinen Vater in England leben würde. Seine Eltern waren zwar verheiratet aber lebten aus beruflichen Gründen in verschiedenen Ländern. Jacks Vater war Anwalt und was Charly ja bereits wusste, sein Haus war in der Nähe von ihrem. „Soweit so gut.“ dachte Charly, „die meisten Kriterien erfüllt er ja bereits.“ Sie gab ihr bestes ihn zu beeindrucken und offensichtlich gelang es ihr, denn am Ende des Abends hatten sie bereits ein zweites Date vereinbart.

 

Am Sonntagnachmittag, Kristina war mittlerweile aus „der Pampa“ zurück und Tobias wieder auf dem Weg nach Madrid, trafen sich die vier Freundinnen zum Kaffee. Charly erzählte die meiste Zeit von Jack, Natalie von ihrem tollen Wochenende mit Tobias und selbst Kristina hatte in Brighton, wo sie wirklich gewesen war, einen Jungen kennengelernt, der bald mal nach London kommen wollte. „Wie war denn dein Wochenende, Thesi?“ fragte Natalie. „Och, super! Am Freitag meine Ballettaufführung lief wirklich gut und …“ Theresa war zum ersten Mal froh von Charly unterbrochen zu werden. „Hey Thesi, am Freitag treffe ich mich übrigens mit Jack. Er geht mit Freunden zum Essen, da dachte ich könntest du doch auch mitgehen? Und danach gehen wir alle gemeinsam weg!“ Charly blickte fragend in die Runde und bekam Zustimmung von allen Seiten.


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