>> Aah... Natascha, guten Morgen.<< Dr. Mironov sah von seinen Papieren auf und lächelte mich an. >> Guten Morgen, Pawel <<, grüßte ich zurück. Ich legte meinen schwarzen Mantel ab und setzte mich auf einen der Ledersessel. Das Behandlungszimmer des Psychologen erinnerte mich ein wenig an das von Dr. Freud, welches ich im Madame Tussauds Museum, inklusive seiner Wachsfigur gesehen hatte. Die Wände von vollen Bücherregalen aus dunklem Holz verdeckt, hier und da ein paar Lampen und die Sessel passend zu den regalen... Pawel stand von seinem Stuhl auf und setzte sich in den Sessel mir gegenüber.
>> Wie geht es Alex und Jaqueline?<<, fragte er, wie jedes Mal.
>> Wunderbar. Die Lehrer sagen nur gutes<<, sagte ich fast schon mechanisch.
>> Und was ist mit dir selbst?<<, fragte er.
>> Nichts.<<
Pawel schüttelte seufzend den Kopf. Ein Moment des Schweigens, dann sprach er wieder:
>> Warum willst du mir nicht sagen, was damals wirklich passiert ist?<<
Ich sah ihn fragend an.
>> Der eigentliche Grund warum du damals zu mir gekommen bist<<, ergänzte er.
>> Das habe ich dir doch längst gesagt... ich habe Probleme mit der Schule und mit meiner Familie... << >> Du hast mir nicht alles gesagt.<<
>> Doch!<<
>> Nein.<<
Pawel sah mich erwartungsvoll an. Ich wusste, dass jetzt der Augenblick gekommen war ihm die Wahrheit zu sagen. Ich konnte es nicht mehr leugnen. Er wusste es. Er wusste nicht genau was es war, aber er wusste, dass ich nie die ganze Wahrheit gesagt hatte. Ich lehnte mich im Sessel zurück, schlosß die Augen und atmete einmal tief durch, bevor ich zu sprechen begann.
>> Als Angel mich vor zehn Jahren zu dir gebracht hatte, hatte sie mich kurz vorher im Badezimmer gefunden, als ich mir die Wehne aufschlitzen wollte...<<
Pawel nickte.
>> ... der Grund dafür lag einige Zeit zurück...<<, sagte ich und merkte wie ich ins Stottern geriet. Ich atmete nochmal durch und sagte mir: Jetzt oder nie! Dann erzählte ich alles ganz von Anfang an. So, wie es wirklich gewesen ist...

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