Die Webseite wird geladen! Bitte warten... 

Nicht jeder bekommt sein Frühstück auf einem Silbertablett

Nicht jeder bekommt sein Frühstück auf einem Silbertablett

Immer das Gleiche, jeden Morgen stehe ich um diese Uhrzeit auf, jeden verdammten Morgen. Die Sonne ist noch nicht einmal erwacht und ich muss mein wonniges, gemütliches Heim schon verlassen. Und die Jugend, was macht die? Gar nichts! Immer bleibt alles an den älteren Generationen hängen. Die sorgen sich doch um nichts, die hängen alle noch verträumt  in ihren Häusern und scheren sich nicht um einen alten Genossen wie mich. Lernen, ach ja nicht, dass ich es noch vergesse zu erwähnen, lernen wollen die ja auch alle nichts, oder fragt mich vielleicht mal einer, ob er mit mir kommen kann? Nein! Niemand, an Morgen denken, tun die alle nicht. Was ist wenn ich nicht mehr da bin?  Wer kann dann statt mir zu Großmutter Gerdas Garten gehen und für das herrliche Frühstück sorgen und Friedrich dem armen Kartoffelkäfer, der ein Bein, bei einer seiner halsbrecherischen Flugstunden verlor, helfen die Kartoffelstaude hinauf zu klettern, um seine Kleinen zu versorgen? Natürlich Niemand. Aber daran muss man ja nicht denken, wenn man noch schön träumen kann.

Ach bringt ja so wie so nichts sich darüber auf zu regen, ich sollte mich lieber mal beeilen, sonst ist es schon zu spät und ich komme nicht mehr über die große Straße, bevor die schrecklich herzlosen Riesen erwachen und mit ihren grässlich lauten, luftverpestenden Monstern umherfahren und alles der Erde gleich machen, was ihnen über den Weg läuft. Ach ja, so jemand wie ich hat es schon schwer. Ah fast schon da, an dem Absatz, der die große grüne Wiese vom Bordstein trennt. Und hops, schon geschafft. Nun endlich auf dem harten, kalten Asphalt. Nun beginnt das große Rennen mit der Zeit, ab hier muss ich so schnell ich kann, auf die andere Seite kriechen. Na nu, was ist denn das? Die Kirchturmglocke. Oh nein, das kann doch nicht wahr sein, sie schlägt ja schon 4 Uhr. Jetzt werden bald die ersten Riesen mit ihren schrecklich brüllenden Monstern erwachen. Noch die Hälfte der Straße zu bewältigen. Komm schon schneller, schneller, das muss doch einfach noch etwas schneller gehen. Oh nur noch ein viertel der Strecke, dann habe ich es endlich geschafft. Ahhh, was ist das denn jetzt schon wieder? Lärm! Ohhh nein, da ist doch tatsächlich im Hausflur des gegenüberliegenden Hauses ein Licht an gegangen. Komm schon, geh wieder aus, bitte geh wieder aus. So ein Mist, ich muss doch irgendwie schneller voran kommen können. Hhm, das war das Zufallen einer Tür, jetzt ist es gelaufen. Klack klack klack ein weiblicher Riese geht zu einem der Monster die nicht weit rechts von mir stehen, steckt etwas hinein und setzt sich in dessen großen, weit geöffneten Schlund. Nur noch ein paar Zentimeter trennen mich von dem riesigen, schwarzen, mit  Dreck überzogenen,  runden Fuße des Monsters. Es bemerkt mich zum Glück nicht. Es scheint zu schlafen, obwohl die weibliche Gestalt sich in ihm zu befinden scheint. Eventuell schaffe ich es ja doch noch, nur noch ein Stückchen. Ich befinde mich jetzt genau vor der Mitte des gewaltigen Fußes, noch zehn Zentimeter bis zur Einkerbung zwischen zwei kaputten Bordsteinen. Ach könnte ich nur noch einmal den frischen Morgentau auf dem herrlichen Salat Großmutter Gerdas riechen, und noch ein mal über den vollkommenen Morgennebel hinweg den Sonnenaufgang betrachten, ein letztes mal Friedrich auf die Kartoffelstaude helfen, und den Kleinen beim Frühstücken zusehen, dann würde ich alles anders machen und nicht mehr so viel Meckern, nein ich würde den Jungs zeigen, wie schön der Garten ist, und sie würden von alleine immer mit mir kommen wollen. Krach, das Monster hat sein Maul  geschlossen. Das alles muss ich ihnen doch noch unbedingt zeigen. Schneller, auch wenn ich mein Haus auf dem Rücken tragen muss, dass muss jetzt einfach schneller gehen. Ich bin stark und ich bin schnell, Ich bin stark und ich bin schnell, Ich bin stark und ich bin schnell. Grrrrrrrhh das Monster ist erwacht, es ist wohl erzürnt es wird mich gleich der Erde gleich machen. Ich bin stark und ich bin schnell, Ich bin stark und ich bin schnell. Komm schon noch zwei Zentimeter dann bin ich in der Kule zwischen den Bordsteinen. Das Monster bewegt sich, seine riesigen, dreckigen Füße rollen zum Glück erst einige Zentimeter von mir weg. Vor Angst kann ich mich nicht mehr bewegen, jetzt ist wohl der Augenblick gekommen. Seine schwarzen Füße, umgeben von Zackigen Mustern, auf denen ab und zu winzige schwarze Stacheln hervor zu ragen scheinen, drehen sich links herum und das wilde, jetzt laut tosende, rauchausstoßende Monster, bewegt sich langsam auf mich zu. Ich bringe vor Schock weder einen Schrei aus mir heraus, noch kann ich mich Bewegen. Ich sitze da und warte auf das Unabdingbare. Schließe die Augen. Ich spüre das Monster direkt neben mir, es streift meine schleimig gelbliche Haut, ich öffne die Augen, der Atem steht still, seine nach links gedrehten Füße stehen nun knapp seitlich neben mir. Es bewegt sich weiterhin vorsichtig vorwärts, und nun streifen seine Hinterfüße auch an mir vorbei. Es schlägt eine andere Richtung einen und rollt mit gewaltigem Getöse davon. Uhhfffh schlagartiges Ausatmen. Ich lebe noch, mein Haus ist heil und meine Fühlerartigen Augen sind auch noch dran. Jetzt aber schnell in den Spalt zwischen den Bordsteinen. Links, rechts auf dem Bürgersteig scheint noch nichts los zu sein. Nur noch am Rande des Hauses entlang bis zur nächsten Ecke  und dann werde ich endlich den herrlich friedlichen Garten Großmutter Gerdas erreicht haben. Vielleicht sollte ich die  kleinen Jungs holen und dort bleiben und nicht mehr jeden Morgen in meinem Alter die große Straße überqueren. Ob Friedrich, der schon immer nur in dem idyllischen Garten gelebt hat und noch nie die große Straße sah, mir glaubt, was heute passiert ist?

Ja da hab ich den Kleinen beim Frühstück ja was zu berichten….   . Da soll doch noch mal einer als Ausrede benutzen, frühstück zu besorgen wäre langweilig.


(PippoOne) liegen die Rechte und die Verantwortlichkeit.
Das WriteAText-Team übernimmt keine Haftung für den Text oder verlinkte Inhalte!
exzellent
  • Aktuell 8.4/10
Bewertung: 8.4/10 (9 abgegeben)
Um den Text zu bewerten musst du dich anmelden
Um neue Kommentare hinzuzufügen musst du dich anmelden
 Sandra Christiansen (1.Sptember. 08)
Hi Moni,
ich habe jetzt einen Kategorie "Kindergeschichten" aufgemacht, da dieser Text ja kein Gedicht sondern ein Prosa-Text ist. Einfach mal auf bearbeiten klicken und den Text dann verschieben.
 gisela.appel (1.Sptember. 08)
super süß! Ideal für Kinder